am Beispiel der Marktgemeinde Münzkirchen
Kommunale Familienpolitik
am Beispiel der Marktgemeinde Münzkirchen
von Altbürgermeister Johann Höller
Der kommunalpolitische Ansatz
Familienpolitik hat dort zu geschehen, wo die Familien leben, nämlich in der Gemeinde. Wenn auch das Land in beispielhafter Weise durch viele Aktionen den Familien unter die Arme greift, hat dennoch die Gemeinde selbst die vielfältigsten Möglichkeiten den Familien zu helfen.
In der Gestaltung des unmittelbaren Lebensraumes der Familie, wie etwa der Infrastruktur, der Nahversorgung, der Freizeit- und Kommunikationsräume und der möglichen Beeinflussung der Arbeitswelt liegt der kommunal-politische Ansatzpunkt.
Zuallererst wurde im Gemeindeamt eine wirkliche Servicestelle für die Jugend, die Familien und die Älteren eingerichtet.
Dazu zeigen ein Familienausschuss und ein tätiger Familienbeauftragter den Stellenwert an, den man amtlicherseits den Familien widmet.
Ein Familienforum, das ich seit 1992 in einem Zweijahresrythmus unter dem Motto „Wo drückt die Familien der Schuh“ einberufen habe, brachte jeweils die notwendigen Informationen über die Familienpolitik vor Ort.
Ein großer Katalog von Fragen und Wünschen ließ uns die Zusammenarbeit mit dem Familienreferat des Landes OÖ. und dem Leiter Hofrat Höffinger suchen und die Beratung des Bezirksfamilienzentrums unter der Leitung von Herrn Karl Hofinger in Anspruch nehmen.
Auf jeden Fall wurde als erste Maßnahme ein gemeindeeigener Familienratgeber verfasst, der jährlich aktualisiert wurde, um die Familien über die Einrichtungen der Gemeinde und des Bezirkes sowie die Förderungen des Landes zu informieren.
Eine Vortragsreihe, die später sogar in die Elternwerkstatt der Pädagogischen Aktion übernommen wurde, kam sehr gut an und ließ uns weitere organisieren.
Die Einrichtung einer Familienberatungs- und Familieninformationsstelle war scheinbar des Guten zuviel, da unseren Bürgern doch die Anonymität in der Bezirksstadt lieber war. Diese monatlichen Beratungen wurden wieder aufgegeben.
Es war immer unser Anliegen, in der Gemeinde eine Atmosphäre der Wärme zu schaffen, in der die Familien wachsen können und sich Jung und Alt wohlfühlen.
PROJEKT „Familienfreundliche Gemeinde Münzkirchen“
Unser besonderer Einsatz für die kommunale Familienpolitik wurde schließlich gewürdigt mit der Durchführung eines Pilotprojektes des Landes OÖ. unter dem Leitmotiv der „Familienfreundlichen Gemeinde“.
Dieses Angebot haben wir uns nicht entgehen lassen, zumal uns eine qualifizierte Projektbegleitung in Aussicht gestellt wurde.
Der notwendige Grundsatzbeschluss im Gemeinderat war schnell gefasst, doch die Mitarbeit der Bevölkerung an diesem Projekt war uns oberstes Prinzip.
Die Begeisterungsfähigkeit für dieses Projekt war dem Projektleiter, Herrn Stefan Klaner, und der sehr guten Begeleitung durch Herrn Hofinger zu verdanken.
In einer äußerst klugen Vorgangsweise wurde zuerst eine Trägergruppe gegründet, die vorerst in einer STÄRKEN-SCHWÄCHEN-ANALYSE die Familienfreundlichkeit der Gemeinde durchleuchtete.
Daraufhin wurde dann die Bevölkerung zu einer Informationstagung eingeladen. Mit Rollenspiel, Dias und Overhead wurden einzelne Projekte den über 100 Besuchern vorgeführt. Bei dieser Veranstaltung konnten auch interessierte Mitarbeiter für vier Arbeitskreise gefunden werden.
In den Sitzungen der Trägergruppe und in den vier Arbeitskreisen beschäftigte man sich nun mit den Möglichkeiten einer aktiven Familienpolitik, erstellte ein LEITBILD und suchte gezielt nach guten Ansätzen.
Ein MASSNAHMEN-KATALOG sollte die Verbindlichkeit der Verwirklichung des Leitbildes unterstreichen.
Viele dieser Aktionen wurden von der Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen. Vom Anlegen neuer Wanderwege und Hecken bis hin zu den Aktionen, die der Bevölkerung die Notwendigkeit einer guten Nahversorgung bewusster machen sollten, von den Kinderspielfesten und dem Ferienpass bis hin zu den Computerkursen der Gemeinde für Jugendliche und Erwachsene, wurde eine Palette von Ideenreichtum geboten.
Im Projekt „Erlebte Zeitgeschichte“ wurden Jugendliche mit der Generation der 60jährigen zusammengeführt. Die älteren Teilnehmer erzählten von den Jugendjahren in der schwierigen Nachkriegszeit und ließen sich von den heute Jugendlichen die Probleme des Jung-Seins in unserer Zeit schildern. Gegenseitiges Verständnis war das Ziel dieser Veranstaltung.
Einer der Höhepunkte war die Vergabe des Preises „Familienfreundlichstes Unternehmen“ der Gemeinde im Jahre 2000. Es ist Wunsch der Gemeinde und der Bevölkerung, eine familienorientierte Arbeitswelt zu bekommen, in der sicher auch die Mitarbeiter motivierter sind.
In fast 50 Sitzungen und 2 Klausuren wurde von den ca. 40 Mitarbeitern Beispielhaftes geschaffen, was letztendlich zu den Auszeichnungen führte, nachdem wir bereits 1994 zur Jugendfreundlichsten Gemeinde OÖ. ernannt wurden:
1999 Familienfreundlichste Gemeinde des Bezirkes
2000 Familienfreundlichste Gemeinde des Landes
2001 Jugendfreundlichste Gemeinde OÖ. / 4. Rang